Silvio Nickol Gourmet Restaurant

Gault&Millau Bewertungen

Willkommen im exklusivsten und wohl auch elegantesten Restaurant von Wien. An acht runden Tischen findet sich allabendlich eine illustre und ziemlich internationale Gästeschar ein, um sich ein paar Stunden lang auf höchstem Niveau kulinarisch unterhalten zu lassen. Wie hoch – und wie kostspielig dies geschieht – gilt es gleich am Anfang zu entscheiden. Will man das Menü mit Kaviar-Supplement kommt noch ein bisschen etwas dazu. Und auch bei der Weinbegleitung hat man die Möglichkeit, sich zu einer Raritätenverkostung „upzugraden“. Dann spielen auch erste Geigen aus dem Burgund und Bordeaux (1986 Yquem, 1993 Latour) die Begleitmusik. Wie gesagt, man kann, aber man muss nicht. Und wenn wir schon dabei sind, noch ein, zwei Worte zum Thema Wein, für den dieses Hauses weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist: Ja, es kommt vor, dass man an einem Nachbartisch beobachten kann, wie der Gegenwert von einem (oder zwei) Kleinwa(e)gen getrunken wird. Man wird in diesem überkompletten Weinbuch aber auch als Schnäppchenjäger fündig. Es ist also ein echtes Missverständnis, wenn mitunter behauptet wird, dass die Weine im Palais Coburg teuer wären. Tatsächlich sind sie sehr günstig, doch das Angebot reicht von knapp 40 Euro bis zu zigtausend Euro – alle Weine sind sehr gastfreundlich kalkuliert. Wir haben uns für die „normale“ Weinbegleitung entschieden, die von Sommelier Thomas Juranitsch in höchst unterhaltsamer Art und Weise kommentiert wird. Doch jetzt zum Essen. An der grundlegenden Kochphilosophie von Silvio Nickol hat sich nichts geändert, aber wir haben das Gefühl, dass seine Gerichte noch einen Tick exakter und elaborierter geworden sind. Das zeigt sich weniger in der Optik – da gleicht ein Nickol-Menü schon seit Langem einem Bilderbuch – als vielmehr am Gaumen. Es sind die Texturen und vor allem die Temperaturen, die exakt aufeinander abgestimmt sind. Diese Präzision macht ihm niemand so schnell nach. Als Grüße aus der Küche kommen vier kleine Miniaturen zu Tisch – allesamt scheinbar mit der Pinzette finalisiert. Wunderbar. Dann die Entenleber mit Buchweizen, Apfel und Weizengras – ein Genuss für Auge und Mund. Fast schon zu verspielt dann der Gang mit rohem Stör, der in Anlehnung an ein Ceviche mit saurem Sanddornsaft gepaart wurde. Dazu Petersilwurzeln, Kürbiscreme und Kürbiskerne – optisch eine Wucht, aber doch ein bisschen viele Aromen auf einem Teller. Danach geht es so richtig los: Das Bauchstück vom Bluefin Tuna schaut auf den ersten Blick wie ein durchzogenes Stück Kobe Beef aus und ist von unglaublicher Textur. Höchst erfreulich, dass man solche Qualitäten mittlerweile aus nachhaltigen Aquafarmen bekommt. Man darf also wieder guten Gewissens Bluefin Tuna genießen. Über ein perfekt gegartes Stück Steinbuttfilet geht es dann zum gegrillten Kalbsteak: zart, rauchig und von zauberhaftem Jus begleitet – ein würdiger Hauptgang – , der dann noch vom Rehfilet getoppt wird, das sich erstaunlich gut mit einem hocharomatischen Pfirsich versteht. Leider viel zu selten bekommt man hierzulande ein „Käsedessert“ (Ziegenkäse mit Feige) serviert – in dieser Form macht Käse auch bei einem großen Menü wirklich Spaß. Dann noch ein kleines Pre-dessert („Gin Tonic“ mit Zitrone) und ein verspieltes Bananengericht – schon hat man es „geschafft“ und ist dank der großzügigen Weinbegleitung nicht nur satt, sondern auch angenehm beschwingt. So mögen wir das.

Adresse

Coburgbastei 4
1010 Wien

Kontakt

01 51 81 81 30

Website

Team

  • Silvio Nickol,  Chef

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Einige andere Adressen

Öl
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Öl

Leopoldsgasse 26, 1020 Wien

Das Design der Öl-Bar ist einfach cool – die Stimmung und die Drinks ebenso. Der Blick wird von kreativen Wandbemalungen, dem herausstechenden Tresen und stylishen Beleuchtungselementen eingefangen. In diesem gelungenen Ambiente oder im Sommer im Schanigarten genießt man eine hervorragende Auswahl an Bieren, (Natur)-Weinen und anderen Getränken. Für Unterhaltung sorgt außerdem der Wuzler im hinteren Bereich.

Émile
Ausgewählt von Gault&Millau Selection
11 / 20

Émile

Schottenring 11, 1010 Wien

Einst eine Heimstatt, an der die österreichische Küche weiterentwickelt wurde, findet man heute in dem schicken Bistro eine pragmatische Küchenlinie vor, die aber mit einer gewissen Verve vorgetragen wird. Eine gute Basis an Hotel-Standards umfasst Schnitzel, Pizza, Pastagerichte, Tatar und Burger – das erwarten sich die Reisenden, mögen aber auch Einheimische von Zeit zu Zeit. Das Avocado-Lachs-Tatar mit Dotter und die amerikanischen Short Ribs vom Rind sind gefällige Neuerungen auf der Karte. Die regionalen Weine werden vom freundlichen Personal passend zum Bestellten empfohlen.

o boufés
Ausgewählt von Gault&Millau Selection
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o boufés

Dominkanerbastei 17, 1010 Wien

Konstantin Filippou, der umtriebige Grazer Grieche in Wien, hat ein wenig an den Konzeptschrauben seiner niederschwelligen Weinbar mit der so wunderbar schmackhaften wie unkomplizierten Küche gedreht. Denn wie im Fine Dining-Tempel, der seinen Namen trägt, ist der Fokus nun auch hier ganz klar auf Fisch und Fleischloses gerichtet, auch wenn jeden Abend eine Hauptspeise die Ausnahme von der Regel sein darf. Bei Goldbrasse mariniert mit Miso, Orange und Koriander (unserem Favoriten des Abends) sowie dem pikanten Chinakohl mit Chili, Liebstöckel und Suchtfaktor oder dem panierten Seeteufel an Spargel und Remoulade waren wir einfach nur im Glück. Gleiches lässt sich auch von der butterweichen Lachsforelle mit Fenchel und Café de Paris-Butter und den beiden Desserts – Trahanas mit eingelegten Trauben und knuspriger Schokolade sowie dem hoch erfrischenden Rhabarber in Begleitung von Nussbuttereis und Verjus unter Filoteig –bestätigen. All diese unprätentiösen und doch präzise gefertigten Köstlichkeiten in Verbindung mit dem jungen, charmanten Team und einer schon legendären Natural Wine-Karte ließen den Abend zum unvergessenen Erlebnis reifen.

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