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Steirereck im Stadtpark

Gault&Millau Bewertungen

Auf der Suche nach immer mutigeren, vielleicht auch schrägeren Kulinarik-Erfahrungen mag man sich als Feinschmecker manchmal in die Idee experimenteller Nonstop-Innovationen verlieren. Stets auf der Suche nach dem ultimativen Wow-Effekt. Und trotzdem ist Beständigkeit in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Jene Form kulinarischer Verlässlichkeit, die das Gefühl verleiht, angekommen zu sein, um dennoch – immer wieder – für Überraschungsmomente zu sorgen. So ein Ort ist das Steirereck im Stadtpark, in dem Heinz Reitbauer und sein Team seit sehr langer Zeit für stabile Geschmackserlebnisse auf höchstem Niveau sorgen. Diese überdauern jede Krise und das macht hier alles so tröstlich und gut. Ein Heimkommen, zu dem auch das Heranrollen des Brot- und Käsewagens gehört. Und wie nebenbei wird klar, dass man in einem der besten Restaurants der Welt sitzt und isst – obwohl hier nichts Exaltiertes oder Prätentiöses spürbar ist. In allem, was an diesem Ort geschieht, ist Demut zu spüren – vor dem Gast, den Produkten, dem, was Österreich (und auch darüber hinaus) zu bieten hat. Genau dadurch ist dieses zeitlos schöne Gesamtkunstwerk charakterisiert. Letztendlich sind es viele, verschiedene und, ja, überzeugende Komponenten: wärmende Gastlichkeit, herzerfrischende Leichtigkeit und höchstes Niveau. Eine eigene Welt und deshalb eine eigene Liga der österreichischen Esskultur von erstaunlicher Konsequenz. Jeder einzelne Gang bringt eigene Düfte und Gerüche auf den Tisch, macht Freude, erstaunt. Ganze Jahreszeiten werden geschmacklich eingefangen, wie etwa der Sommer in Gestalt einer Sonnenblume mit Currykraut, Joghurt und gelben Fisolen. Oder der Amurkarpfen mit Pfirsich, Kohlrabi und Johanniskraut, Letzteres als „stimmungsaufhellendes Kraut“ erwähnt (was es hier bei Gott nicht bräuchte), dazu Saft von Goldrüben, Johanniskrautessig, Senfkörner und Feigenblattöl. Nur einige von vielen Genussgemälden, die Neugierde, Tiefe und Verbundenheit mit dem, was die Natur an Vielfalt zu bieten hat, aber auch bestes Handwerk erahnen lassen. So wie der äußerst zart gebratene Rehbock mit Saubohnen, Erdnuss und Pelargonien, angerichtet mit Natursaft und einer Kokos-Gewürz-Milch zu geschmorten, süßen Zwiebeln. Dann wird sehr langsam gegessen, getrunken und in gewisser Weise gefeiert. Dass die spannenden Weinempfehlungen (samt Erzählungen dazu) des leidenschaftlich-engagierten Sommeliers René Antrag das Ihre beitragen, um die Gerichte individuell abzurunden, kann schon deshalb nicht „nur nebenbei“ erwähnt werden, weil dadurch das Glück über das Erlebte noch spürbarer wird.

Adresse

Am Heumarkt 2a
1030 Wien

Kontakt

01 713 31 68

Website

Team

  • Heinz Reitbauer,  Chef
  • Michael Bauböck,  Sous Chef
  • Birgit Reitbauer,  Manager

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Einige andere Adressen

Öl
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Öl

Leopoldsgasse 26, 1020 Wien

Das Design der Öl-Bar ist einfach cool – die Stimmung und die Drinks ebenso. Der Blick wird von kreativen Wandbemalungen, dem herausstechenden Tresen und stylishen Beleuchtungselementen eingefangen. In diesem gelungenen Ambiente oder im Sommer im Schanigarten genießt man eine hervorragende Auswahl an Bieren, (Natur)-Weinen und anderen Getränken. Für Unterhaltung sorgt außerdem der Wuzler im hinteren Bereich.

Émile
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Émile

Schottenring 11, 1010 Wien

Einst eine Heimstatt, an der die österreichische Küche weiterentwickelt wurde, findet man heute in dem schicken Bistro eine pragmatische Küchenlinie vor, die aber mit einer gewissen Verve vorgetragen wird. Eine gute Basis an Hotel-Standards umfasst Schnitzel, Pizza, Pastagerichte, Tatar und Burger – das erwarten sich die Reisenden, mögen aber auch Einheimische von Zeit zu Zeit. Das Avocado-Lachs-Tatar mit Dotter und die amerikanischen Short Ribs vom Rind sind gefällige Neuerungen auf der Karte. Die regionalen Weine werden vom freundlichen Personal passend zum Bestellten empfohlen.

o boufés
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o boufés

Dominkanerbastei 17, 1010 Wien

Konstantin Filippou, der umtriebige Grazer Grieche in Wien, hat ein wenig an den Konzeptschrauben seiner niederschwelligen Weinbar mit der so wunderbar schmackhaften wie unkomplizierten Küche gedreht. Denn wie im Fine Dining-Tempel, der seinen Namen trägt, ist der Fokus nun auch hier ganz klar auf Fisch und Fleischloses gerichtet, auch wenn jeden Abend eine Hauptspeise die Ausnahme von der Regel sein darf. Bei Goldbrasse mariniert mit Miso, Orange und Koriander (unserem Favoriten des Abends) sowie dem pikanten Chinakohl mit Chili, Liebstöckel und Suchtfaktor oder dem panierten Seeteufel an Spargel und Remoulade waren wir einfach nur im Glück. Gleiches lässt sich auch von der butterweichen Lachsforelle mit Fenchel und Café de Paris-Butter und den beiden Desserts – Trahanas mit eingelegten Trauben und knuspriger Schokolade sowie dem hoch erfrischenden Rhabarber in Begleitung von Nussbuttereis und Verjus unter Filoteig –bestätigen. All diese unprätentiösen und doch präzise gefertigten Köstlichkeiten in Verbindung mit dem jungen, charmanten Team und einer schon legendären Natural Wine-Karte ließen den Abend zum unvergessenen Erlebnis reifen.

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